Sie sehen und hören Helmy Abouleish. Er ist Geschäftsführer der Sekem Gruppe und Vorsitzender der Ägyptischen Wirtschaftsjunioren.
Als sein Vater, Dr. Ibrahim Abouleish, sich Mitte der 70er Jahre von Österreich aus über alle Grenzen hinweg auf den Weg zu seiner Vision machte, saß Helmy am Steuer eines der drei Fahrzeuge, mit denen die Familie in die Wüste zog. Da war er noch längst keine 18 Jahre alt. Von Beginn an hat er den sagenhaften Aufbau eines mittlerweile viele Tausend Mitarbeiter beschäftigenden Unternehmens mitgemacht, das Landwirtschaft und verarbeitende Betriebe, ein medizinisches Zentrum, Schulen, Theater und seit neuestem auch eine Universität umfasst. Sekem ist durch alle Widerstände hindurch ein leuchtendes Zeichen in der arabischen Welt geworden. Vor zwei Jahren wurde Ibrahim Abouleish mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Sein Sohn wird die Arbeit weiterführen. Helmy Abouleish spricht auf der Jahresversammlung der GLS Gemeinschaftsbank und in einem anschließenden Interview mit grundeinkommen.tv über seine Einschätzung eines bedingungslosen Grundeinkommens.
Interview mit Jakob von Uexküll. Er ist der Stifter des Right Livelihood Award, bekannter unter dem Namen: Alternativer Nobelpreis. Der Preis geht jährlich an vier Personen, die zukunftsweisende Lösungen zu den dringendsten Probleme der heutigen Welt umgesetzt haben und maßgeblich zur Menschlichkeit auf unserem Planten beitragen. Mit insgesamt über 200.000 Euro ist der Alternative Nobelpreis geringer dotiert als der Nobelpreis, genießt aber gleich hohes Ansehen und wird wie er im Schwedischen Parlament verliehen. Jakob von Uexküll ist ehemaliger Europaparlamentarier, schwedischer und deutscher Staatsbürger, lebt in London und bemüht sich derzeit um die Gründung eines Welt Zukunftsrates. Auf der Jahresversammlung der GLS Gemeinschaftsbank spricht er auf dem Podium und im Interview mit grundeinkommen.tv über die Aufgaben des 21. Jahrhunderts und das bedingungslose Grundeinkommen.
Aus dem Podiumsgespräch auf der Jahresversammlung der GLS Gemeinschaftsbank und GLS Treuhandstelle am 16. Juni in Bochum.
Thomas Jorberg (Foto), Vorstandssprecher der GLS Bank. Prof. Götz Werner, Leiter der dm Drogeriemarktkette. Veronika Bock, Deutschlandfunk. Jakob von Uexküll, Stifter des Alternativen Nobelpreises.
Vorausgehend hatte Prof. Götz Werner das Grundeinkommen verglichen mit der Entdeckungsfahrt von Christopher Columbus. Es sei ein Aufbruch in eine andere Richtung, und es könne auch sein, dass dabei etwas entdeckt wird, was man nicht erwartet.
Thomas Jorberg: Ich bin überzeugt davon, dass mehr Menschen als heute durch ein Grundeinkommen initiativ wären und eine Arbeit machen, die sie auch wirklich tun wollen. Das Grundeinkommen wird dann nur ein Grundeinkommen sein, und um tätig zu werden, unternehmerisch zu werden – ob im sozialen-, im gemeinnützigen-, im ökologischen Bereich, wo auch immer – braucht man Geld. Und was für Geld braucht man dann eigentlich? Wenn da nun der Columbus von Herrn Werner zu uns kommt und sagt: ‚Ich will jetzt mal in die andere Richtung fahren; es kann sein, ich komme ach Indien, es kann aber auch sein, ich komme nach Amerika’, dann müssen wir bei der heutigen Finanzierungspraxis sagen: Eine größere Behinderung als einen Banker kann es dafür gar nicht geben. Wir fragen zuerst nach dem Businessplan. Das wird die Herausforderung sein, da neue Formen zu entwickeln. Mit dem Mikrofinanz Fond für Kleinkredite an einzelne Unternehmensgründer sind wir bereits in eine solche Richtung gegangen. Schon dafür braucht man eine andere Geldqualität. Das können wir nicht als Banker machen. Sondern dafür braucht es Gründerberatungsstellen, Menschen, die nah an denen sind, die sich selbständig machen wollen. Und dafür brauchen wir auch Risiko tragendes Geld. Das kann man nicht mit Spareinlagen machen.
Götz Werner: Aber stellen Sie sich einmal vor, in was für einer anderen Situation derjenige wäre, der sich selbständig machen will, wenn er ein Grundeinkommen hätte – er, seine Frau, seine Kinder, mit dem Grundeinkommen wäre fürs Alter gesorgt – der hätte viel mehr Bonität! Und das als gesamtgesellschaftliches Phänomen.
Veronika Bock: Bringt das Grundeinkommen die Leute dazu, freier zu sein, auch alternative Projekte mit zu tragen?
Jakob von Uexküll: Sicherlich. Diese Freiheit ist natürlich nicht gewünscht von denen, die von dem jetzigen System profitieren. Jetzt kann man noch die Bedrohung benutzen und sagen: Entweder du arbeitest für die Rente, die aber real immer geringer wird, oder du wirst arbeitslos. Und das kann man jetzt sogar auf globalem Niveau machen. Man sieht, die Arbeitslosigkeit steigt, sie steigt in Ägypten, sie steigt aber auch in reichen Golfstaaten, sie steigt überall. Wir haben schätzungsweise mindestens eine Milliarde Menschen auf der Welt, die ganz oder teilweise arbeitslos sind, in einer Welt, in der riesige Aufgaben auf uns zu kommen. Eine Bekannte von mir hat das mal in ihrer Schule erzählt, und da fragte ein Mädchen: Sind wir denn mit der Arbeit fertig?
Die Veranstaltung wurde organisiert und kuratiert von Brita Polzer. Weitere GesprächsteilnehmerInnen waren: Tim Zulauf (freier Autor, Theaterprojekte, Kunstkritiker), Gabriela Christen (Kunstredaktorin bei SR DRS 2, Dozentin HGKZ), Claudia Jolles (Chefredaktorin Kunst-Bulletin) und Dorothea Strauss (Künstlerische Direktorin Haus Konstruktiv) denken mit.
In den nächsten Tagen folgt hier auf dem News Blog ein 2. Filmbeitrag zur hitzigen Debatte auf diese Einleitung.
Unter dem Titel: "Wirtschaft trifft Soziales" läd Dorothea Deimann (Kunstraum Rhein) am Freitag 30. Juni 18.00 ins Gundeldingercasino am Tellplatz in Basel.
Auszug aus dem Flyer: "Unter dem Titel „Ein Schritt für die Wirtschaft – Quantensprung im Sozialen?“ diskutieren Fachleute die Machbarkeit eines leistungsunabhängigen Bürgergeldes. Als Gesprächspartner sind Mitglieder des Basler Gewerbeverbandes, der Handelskammer beider Basel, dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA sowie des Grossen Rates Basel-Stadt eingeladen. Die Beiträge werden eine interessante Grundlage für ein Gespräch mit den Gästen bieten."
grundeinkommen.tv wird vor Ort sein und hier auf dem News Blog gelegentlich berichten.
p.s. Gleichenzeit spielt gerade Deutschland im 1/4 Finale der Fussball-Weltmeisterschaft Anpfiff um 17.00 - ob das ein gutes Omen ist? Für Deutschland?
Beitrag zum Grundeinkommen gewinnt einen 1. Preis beim Deutschen Studienpreis
Ein Soli für mehr Kreativität
Wie ein Grundeinkommen für Alle Wirtschaftswachstum fördert
In der öffentlichen Diskussion um den Patienten Deutschland herrscht in der Regel Einigkeit: Wollen wir die Arbeitslosigkeit beseitigen, muss unsere Volkswirtschaft mehr Wachstum generieren. Mehr Wachstum erreichen wir, indem wir produktiver werden - auch das ist Konsens. Umstritten ist hingegen, wie wir produktiver werden. Tobias Lorenz gibt eine provokante Antwort: Indem der Staat ein so genanntes bedürfnisunabhängiges Grundeinkommen für alle Bürger einführt - eines also, das unabhängig von Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand, Arbeitshistorie und Arbeitswilligkeit ist. Eine These, die dem Prinzip der deutschen Sozialsysteme fundamental widerspricht.
Die Arbeit von Tobias Lorenz leistet dreierlei: Erstens zeigt sie, warum die neoklassische Wirtschaftstheorie mit ihrer Gleichgewichtsannahme nicht geeignet ist, dynamische Wirtschaftsprozesse darzustellen. Zweitens beinhaltet sie philosophische Überlegungen zur Natur des Menschen. Der Autor betrachtet Volkswirtschaft nämlich aus Sicht der Akteure. In einer Gesellschaft, so seine These, die nicht industriell geprägt ist, sondern eine Wissensgesellschaft ist, die von der Erforschung neuartiger Güter lebt, ist Wirtschaftswachstum vor allem durch die Förderung von Kreativität zu erreichen. »Kreativität«, schreibt Lorenz, »ist für den Einzelnen allerdings immer ein Risiko behaftetes Unterfangen. Neue Lösungen müssen getestet werden und können dabei scheitern. Dieses Risiko erschwert es dem Einzelnen seiner Kreativität nachzugehen. Es sollte daher über ein Grundeinkommen von der Sozialgemeinschaft mitgetragen werden.«
Drittens beinhaltet die Arbeit einen ersten Ansatz eines Modells für eine computersimulierte Volkswirtschaft. Tobias Lorenz unterstellt den Akteuren in seinem Modell gewisse Einkommen, die sie gerne erreichen möchten. Wie hoch ist das Arbeitsangebot bei einem Grundeinkommen in wählbarer Höhe? Verschiedene Parameter finden in dem Modell Berücksichtigung, etwa die Arbeitsmoral eines Akteurs bei einer bestimmten Steuerlast.
Tobias Lorenz leistet auf diese Weise einen originellen Beitrag zu einer in der Soziologie und neuerdings auch in den Wirtschaftwissenschaften beliebten Disziplin: den so genannten Agenten-basierten Simulationen. Diese berücksichtigen, dass die in einem System agierenden Individuen heterogen sind und komplexe Verhaltensweisen wie Lern- und Anpassungseffekte aufweisen.
"Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle ermöglicht es, in Freiheit tätig zu sein, anstatt im Zwang zu leben, jede beliebige Erwerbsarbeit annehmen zu müssen".
Das St. Galler Tagblatt berichtet über einen Vortrag von Eric Patry, Mitarbeiter am Institut für Wirtschaftsethik der Uni St. Gallen, den er im evangelischen Kirchgemeindehaus Engelburg letzte Woche gehalten hat.
Weiter GesprächsteilnehmerInnen waren: Tim Zulauf (freier Autor, Theaterprojekte, Kunstkritiker), Gabriela Christen (Kunstredaktorin bei SR DRS 2, Dozentin HGKZ), Claudia Jolles (Chefredaktorin Kunst-Bulletin) und Dorothea Strauss (Künstlerische Direktorin Haus Konstruktiv) denken mit.
rebell.tv hat einige Sequenzen des Abends eingefangen und bereits online gestellt. Über die angeregte teils hitze Diskussion zum Vorschlag des bedingungslosen Grundeinkommen werden wir hier auf den News Blog in den nächsten Tagen noch ausführlicher berichten Hier der Link zum Bericht von: rebell.tv
Aus dem Referat von Jens Martignoni (Bild), vom Verein "flexibels" in Zürich, am 13. Mai 2006 in Romainmotier:
...das bedingungslose Grundeinkommen ist also eine adäquate Antwort darauf, wie der bestehende Überfluss sinnreicher und gerechter verteilt werden könnte und damit die freigesetzte Energie und Arbeitszeit in andere Bereiche fliessen kann. Denn, im Sozialen, im Gesundheitswesen, in der Bildung und in der Kultur, dort ist heute ein grosser Bedarf an Arbeitskraft, der leider blockiert ist, weil die alten Denk- und Machtstrukturen eine Umlagerung verhindern. Das bedingungslose Grundeinkommen setzt nun hier an, reduziert die Blockade und ermöglicht Neues in vielen Gebieten. Ausserdem können die reichen Kapitalbesitzer von ihrer Verantwortung entlastet werden, die sie heute aus ihrer Überforderung nicht mehr wahrnehmen können. Das Grundeinkommen hat aber nur eine Chance zu bestehen, wenn gleichzeitig das Loch gestopft wird, wo das ganze Geld der realen Wirtschaft abfliesst in die Finanzblase. Eine Mehrwertsteuer, wie sie heute als Finanzierungsinstrument des Grundeinkommens vorgeschlagen ist, hat genau hier ihren Schwachpunkt. Finanztransaktionen und Spekulationsgewinne werden damit nicht erfasst. Das heisst, in absehbarer Zeit wird ein realisiertes Grundeinkommen sich nicht mehr finanzieren können, weil alles Geld in der Blase verschwindet und so insgesamt zuwenig Geld in der realen Wirtschaft fliesst. Hier gilt es also Massnahmen zu treffen. … Das Ziel ist also nicht Grundeinkommen versus Kapitaleinkommen, wie es bei, heutigen Stand der Diskussion befürchtet werden müsste, sondern Grundeinkommen gerade auch aus Kapitaleinkommen. Dies ist eine entscheidende Forderung für eine insgesamt gesündere Wirtschaft und Gesellschaft.
Ein kurzer Auschnitt aus dem Gespräch bei der Kick-Off Veranstaltungen der Initiative Grundeinkommen in Romainmotier. Im Bild sehen sie von l.n.r. Holger Matthies und Adi Blum.
Grundeinkommen und Siamesische Zwillinge
Adi Blum: Ich denke mal an Siamesische Zwillinge. Da bekommt jeder pro Kopf ein Grundeinkommen? Das ist aber sehr ungerecht. Denn die brauchen natürlich viel mehr für Operationen und so weiter. Sascha Liebermann: Es wird auch beim Grundeinkommen Solidarfonds geben für diejenigen, die einen besonderen Pflegeaufwand brauchen, Medikamentierung oder Operationen. Adi Blum: Dann ist das Grundeinkommen nur ein Kissen von vielleicht 2000 Franken, das die lebensnotwendigen Mittel ermöglicht, und darüber ändert sich nichts. Das Prinzip des Grundeinkommens sagt: Allen das Gleiche. Aber nicht: Allen das Seine. Das bedeutet, alle werden über den gleichen Kamm geschert. Man geht nicht auf die spezielle Situation ein. Es ist kein Prinzip, das den Einzelfall ernst nehmen würde.
Grundeinkommen und Bedarfsgerechtigkeit
Enno Schmidt: Das Grundeinkommen hat nichts mit dem individuellen Bedarf zu tun. Es ist in diesem Sinne nicht individuell. Nur in dem jeder es bekommt, bekommt jeder diesen Zuspruch zu ihm als Individuum. Aber nicht als Bedarfsgerechtigkeit. Die betrifft dann die Sicherungssysteme wie Kranken- und Unfallversicherung. Man kann sich auch privat Renten- und Arbeitslosenversichern. Viele haben einen höheren Lebensstandart als das Grundeinkommen und werden den auch sichern wollen. Sascha Liebermann: Was wir heute in den Sozialsystemen bedarfsgerecht nennen, sind abrufbare Raster, die politisch festgelegt sind. Es ist nicht die Frage an Sie: Was brauchst Du? Was dem Einzelnen für seinen Bedarf gewährt wird, kann nicht kollektiv gelöst werden. Daniel Häni: Alle über den gleichen Kamm scheren wollen wir eben nicht. Es bekommt zwar jeder das gleiche Grundeinkommen, aber was jeder daraus macht, ist bei jedem ganz anders. Eine Regel, die fragt, was man braucht und damit jedem vorschreibt, was er mit seinem Grundeinkommen zu machen hat, das wäre über einen Kamm geschoren. Bernard Kundig: Das Grundeinkommen bringt mehr Freiheit und mehr Spielräume. Und der Frage, wie diese Freiheit genutzt wird, können wir uns nicht entziehen. Darum bringe ich den Begriff der Solidarwirtschaft mit ins Spiel.
Prof. Dr. Michael Opielka, Artikel und Interviews zum grundeinkommen
Dr. Michael Opielka ist einer der "alten Hasen" unter den Befürwortern des Grundeinkommens. Als Sozialwissenschaftler liegt ihm an einer praktikablen Ausgestaltung zwischen Ideal und Möglichkeit. Wir geben hier die Möglichkeit, eine Reihe von Artikeln und Interviews von ihm einzusehen.
Wie Grundeinkommen wirkt - XII - Bürgernutzen in Bürgergemeinden
08 Juni 2006
Wie Grundeinkommen wirkt - XI - Eigenverantwortung
Sie sehen und hören Alfred Meister, Unternehmer und Berater für Inovations-Organisation, zur Wirkung eines Grundeinkommens auf die Haltung der Menschen in der heutigen Arbeitswelt und Wirtschaft.
"Könnte die Liebe zur Arbeit aus einem neuen Selbstbewusstsein heraus die Grundstimmung unter den Menschen verändern?"
Irmtraud Mair stammt aus Südtirol und lebt heute in Dortmund. Durch eigene biographische Erlebnisse in der Kindheit geprägt, will sie bis zur nächsten WM in Südafrika eine Kampagne gegen den Welthunger auf die Beine bringen. Im Info3 erzählt sie über Ihre Initiative.
Wie Grundeinkommen wirkt - X - Gewerkschaften, Renten, Rationalisierung
Sascha Liebermann von der Initiative "Freiheit statt Vollbeschäftigung" bei der Auftaktveranstaltung der Initiative Grundeinkommen im L'arc.
"... Die Gewerkschaften würden überflüssig, denn die Schutzfunktion wäre schon durch das Grundeinkommen gegeben. Jeder kann die Arbeitsbedingungen, ein Einkommen, Arbeitszeiten, Urlaubszeit aushandeln. Ein Renteneintrittsalter muss es gar nicht geben. ... Und radikale Rationalisierung, wo es vernünftig ist."
Wie Grundeinkommen wirkt - IX - Muse, Kunst und neue Kultur
Sie sehen und hören Brita Polzer, Autorin aus Zürich, zur Idee des Grundeinkommens im Zusammenhang mit der Produktion von Kunst und der Gewichtung von Kunstsubjekt und materiellem Kunstobjekt.
"...mit dem Grundeinkommen würde sich wohl das gesamte kulturelle Klima ändern."
Wie Grundeinkommen wirkt - VII - Finanzierung, Kapitalblase, Sicherheits-Denken
Sie sehen einen Ausschnitt aus einem Gespräche an der Kick-Off Veranstaltung der Initiative Grundeinkommen am 12.-14. Mai 2006 in Romainmotier.
Wie kann Grundeinkommen finanziert werden? Welche Rolle spielt die sogenannte Kapitalblase? Wie ist es mit der Sog-Wirkung der Rentite -Vorstellungen und dem alten Vorsorge- und Sicherheits-Denken, das sich selbst untergräbt?
Es sprechen: Jens Martignioni vom Verein "felxibels" aus Zürich, Alfred Meister, Unternehmer aus Schaffhausen und Enno Schmidt von der Initiative Grundeinkommen.
Wie Grundeinkommen wirkt - VI - Zwischenstatements
Sie sehen einen ca. 8min Filmzusammenschnitt der Zwischenstatements der TeilnehmerInnen an der Kickoff-Veranstaltung der Initiative Grundeinkommen in Romainmotier am 13. Mai 2006.
Es sprechen:
Alfred Meister, Innovations-Entwickler und Unternehmer, Schaffhausen Christoph Dietler, Agronom ehem. Geschäfftsführer der BIO SUISSE, Chur Jens Martignioni, Verein Felxibels, Zürich Daniel Häni, Initiative Grundeinkommen, Basel Alex Silber, Imagologisches Institut, Basel Jens Prochnow, Radio Anthroposophie, Basel Holger Matthies, Bankkaufmann, Riehen Sascha Lierbermann, Initiative Freiheit statt Vollbeschäftigung, Frankfurt Bernard Kundig, Soziologe und Mitglied B.I.E.N, Genf Adi Blum, Kulturschaffender, Luzern Eric Patry, Doktorant und wissenschaftlicher Mitarbeiter, Universität St. Gallen Britta Polzer, Autorin zur Kunst, Zürich Veronika Sellier, Leiterin L'arc des Migros-Kulturprozent, Romainmotier
Sie sehen einen Kurzen Auschnitt aus den Gesprächen an der Kick-Off Veranstaltung der Initiative Grundeinkommen am 12.-15. Mai 2006 in Romainmotier.
Christoph Dietler, Agronom und ehemaliger Geschäftführer von BIO-SUISSE spricht über die mögliche Wirkung eines Grundeinkommens beim Tierartz und seinem Verhältnis zum Landwirt.
grundeinkommen.tv: Du bist einer der ersten, die in den 70er Jahren auf die Flexibilisierung in der Arbeitswelt durch die Technik hingewiesen haben. Siehst Du da eine Brücke zum Grundeinkommen? Bernard Kundig: Zurzeit bringt die Flexibilisierung für die arbeitende Bevölkerung Unsicherheit. Grundeinkommen ist eine Alternative zum herkömmlichen Sozialstaat, der an Wachstum und Vollbeschäftigung orientiert ist. Grundeinkommen ermöglicht Flexibilisierung ohne soziale Härte.
g.tv: Könnte man sagen, dass die Menschen, solange sie so stark wie heute an Erwerbsarbeit gebunden sind, festgehalten werden und nicht die Bewegungen machen können, die man aber im eigenen Leben und auch in der Wirtschaft tun muss? Ist das Festhalten an Erwerbsarbeit als einzig anerkannter Arbeit ein Anhalten von Entwicklung? B. K.: Es ist ein Stress. Die Entwicklung wird schon durchgezogen. Aber mit Verlust. Die Invalidenversicherung ist bei uns völlig überfordert. Die Leute halten diesen Stress nicht aus, weil man etwas von ihnen verlangt, was sie in ihrer Position mit der Notwendigkeit einer gewissen Einkommensstabilität nicht erreichen können.
g.tv: Warum ist ein bedingungsloses Grundeinkommen gerade jetzt in der Diskussion aktuell? B. K.: Zu einem Neoliberalismus und dazu in Verteidigungsposition gerückten Sozialkonservatismus ist das, was man Freiheit der Arbeit nennt, die entscheidende Alternative. So viel Freiheit wie für das Kapital brauchen wir für die Arbeit. Wenn ich sage: Arbeit, dann meine ich den Bürger.
g.tv: Was hat Dich über die lange Zeit, die Du Dich bereits für ein Grundeinkommen einsetzt, am Meisten an dieser Idee begeistert? B. K.: Die Chance, die sich dadurch ergibt, in Selbstverantwortung zu gestalten.
g.tv: Das hieße im Umkehrschluss: Ohne das Grundeinkommen kann man das nicht? B. K.: Das kann man nicht.
g.tv: Hast Du dafür ein Beispiel? B. K.: Berufswechsel sind zum Beispiel sehr schwierig. Man ist einmal irgendwo eingestiegen, bleibt ein Spezialist in seinem Fach, was auch die Bedingung dafür ist, weiterzukommen. Wenn aber jemand sagt: Ach, nein, ich möchte nun lieber das oder jenes werden, so ist es ihm ohne ein Grundeinkommen fast unmöglich, das Zentrum seiner Tätigkeit zu verändern.
g.tv: Das Grundeinkommen wäre ja im Vergleich zu dem, was die Meisten im Job verdienen, sehr wenig. Wir sprechen von 2000 bis 3000 Franken im Monat. Wie ist Dein Blick auf die Finanzierbarkeit eines Grundeinkommens? B. K.: Ich glaube nicht, dass die Finanzierbarkeit das Hauptproblem ist. Wenn man an das Geld denkt, das heute an Sozialleistungen aller Art ausgegeben wird, das Sozialbudget, dann ist genügend Geld da. Das Grundeinkommen wird nicht viel mehr kosten. Das selbe Geld wird anders ausgegeben.
Mit Bernard Kundig sprach Enno Schmidt am 14. Mai 2006 in Romainmotier.
Es gibt zahlreiche Veranstaltungen zum Thema Grundeinkommen im deutschsprachigen Raum - natürlich vorallem im Deutschland. Das Deutschland bezogen auf die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens eine Vorreiterolle spielt, hat unserer Ansicht nach wesentlich mit zwei Hauptfaktoren zu tun. Der erste ist die tatsächliche und breite Not, die durch Harzt IV viel prägnater als etwa in der Schweiz und Österreich zum Vorschein gekommen ist. Der zweite ist, dass in Deutschland die Grundeinkommens-Idee durch starke Persönlichkeiten aufgegriffen und vertreten wird, wie u.a. Götz Werner (als Unternehmer) oder etwa Katja Kipping (als linke Politikerin). Gleichzeitig sind auch in Deutschland die massgebliche Initiativen und Netzwerke beheimatet, wie das "Netzwerk Grundeinkommen" und das "Archiv Grundeinkommen", die Initiative "Freiheit statt Vollbeschaeftigung" oder die Initiative "Unternimm die Zukunft" von Götz Werner. In Deutschland ist im weiteren auch die Frage der Finanzierung eines bedingungslosen Grundeinkommen durch den Vorschlag von Benediktus Hardorp mit der Mehrwersteuer auf eine neue Ebene gehoben worden und am meisten fortgeschritten.
Übersicht über Veranstaltungen bieten folgende Veranstaltungskalender:
Schnitt/Maximum Anfragen pro Tag 10308/16627 Dateien pro Tag 5768/9324 Seiten pro Tag 795/1595 Besuche pro Tag 214/453
Unten sehen Sie in grafischer Darstellung die Besucher-Entwicklung der letzten 3 Monate. Die meistaussagende Zahl ist die der Anzahl verschiedener Rechner (orange): diese beträgt für Mai 3509
Diese Woche ist das Netzwerk Grundeinkommen in Österreichmit einem Positionspaier an die Öffentlichkeit getreten: Grundeinkommen als Richtungsforderung - Die Ersten Schritte zur Realisierung
Die Sprecherin des Netzwerks, Margit Appel (siehe Bild) von der Katholischen Sozialakademie Österreich, betonte, dass das Grundeinkommen eine bedingungslose, finanzielle Zuwendung sei, die jedem Mitglied der Gesellschaft in existenzsichernder Höhe, ohne Rücksicht auf sonstige Einkommen als Rechtsanspruch zustehen müsse. Die Kriterien "bedingungslos", "universell", "personenbezogen" und "existenzsichernd" stellten eine deutliche Unterscheidung zu Modellen der "bedarfsorientierten Grundsicherung" dar. Arbeitszwang oder die Verpflichtung zu gemeinnützigen Tätigkeiten lehnen die Befürworter ab. Wie der Sozialwissenschaftler Manfred Füllsack von der Universität Wien sagte, sollte dieses Grundeinkommen bei rund 900 Euro pro Monat und Person liegen.