03 November 2006
Pressespiegel - Einkommen schafft Arbeit ...

(Enno Schmidt und Daniel Häni)
Pressspiegel zur Veranstaltungsreihe
"Einkommen schafft Arbeit ... Mehrwert durch Grundeinkommen"26.9.-7.10. 2006 im unternehmen mitte in Basel
Wortgast - Einkommen schafft ArbeitVon Enno Schmidt
Programmzeitung 09/06
PDF lesenRege Debatte angezetteltVon Kristine Kranenberg
Baslerstab, 22.9.06
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Laut Nachdenken über GrundeinkommenInterview mit Daniel Häni
Radio DRS 1, 25.9.06
Sendung hören (6 min)Es ist ein BürgerrechtInterview mit Daniel Häni
Baselandschaftliche Zeitung, 25.9.06
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Debatte ist hochaktuellInterview mit Daniel Häni
Basler Zeitung, 26.9.06
PDF lesenAbgesang aufs GrundeinkommenVon Markus Schneider
Basler Zeitung, 27.9.06
PDF lesenFleisch für alleVon Benjamin Shuler
Wochenzeitung WOZ, 28.9.06
PDF lesenWie wirkt Grundeinkommen auf die Seele?Von Enno Schmidt
die Drei, 10/2006
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Wir verteilen nur das Vorhandene neuInterview mit Benediktus Hardorp
Der Sonntag, 1.10.06
PDF lesenEine Antwort auf den AbgesangVon Enno Schmidt und Daniel Häni
Basler Zeitung, 2.10.06
PDF lesen2000 Franken für alle: Wie würden wir leben?Kolumne von Bettina Dieterle
Baslerstab, 12.10.06
PDF lesenDer deutsche Unternehmer will allen ein Grundeinkommen auszahlenInterview mit Götz Werner
Basler Zeitung, 14.10.06
PDF lesen1PDF lesen2Radikale (Gedanken-) ExperimenteVon Mikael Krogerus
Neue Zürcher Zeitung NZZ, 25.10.06
PDF lesenNimm die Idee, brich sie und verteil sie unter die MenschenVon Franziska Schutzbach
Das Goetheanum, 44/06
PDF lesenGrundeinkommen für alle: Utopie?Von Michael Müller für Doppelpunkt
Schweizer Radio DRS 1+2, 31.10. und 1.11.06
Sendung hören (45min)Wien, Basel, BerlinVon Enno Schmidt
Info3, 11/08
PDF lesenLabels: Einkommen schafft Arbeit - Basel 2006, Medienecho, Veranstaltungen
11 Oktober 2006
Grundeinkommen zum Erntedankfest

"Braucht es in einer dynamischen Fruchtfolge neben Gemüse und Getreide neue Initiativ-felder für unseren Geist? Ich kann die Bundesdirektzahlungen in neuem Licht sehen. Sie sind unser Grundeinkommen und ermöglichen uns Pflanzen und Tiere zu pflegen und Lebensmittel für die Menschen zu kultivieren. Alle möchten die Arbeit
sinnvoll,
motivierend und be
geisternd erleben".
Dies ein paar Worte aus der Einladung an die Initiative Grundeinkommen am Erntedankfest des Schwalbenhofs in Hauptikon (am Albis) die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens vorzustellen. Wir nahmen die Einladung gerne an und konnten somit unser Veranstaltungsreihe (Einkommen schafft Arbeit ...) sehr sinnig und ebenso sinnlich abschliessen!

Das geistreiche Impulsreferat von Enno Schmidt mündete in eine angeregte Diskussion über Mehrwert, Selbstwert und die Idee einer reinen Konsumbesteuerung.

Der Schwalbenhof wird von der Familie Schneiter zusammen mit einem jungen Team biologisch dynamisch bewirtschaftet. Sehr eindrücklich war der anschliessende Rundgang über den Hof, der uns klar machte, dass die Bauern nicht einfach Produkte erzeugen zum Verkauf, sondern jeden Tag neu an einem Gesamtkunstwerk arbeiten, das mit dem Produktepreis niemals umfassend abgegolten werden kann.

Von l.n.r. Alfred und Silvia Schneiter, Enno Schmidt, Daniel Häni und Alma, die sich wunderte, dass dort auch eine Kuh diesen Namen trägt.
Labels: Einkommen schafft Arbeit - Basel 2006, Veranstaltungen
10 Oktober 2006
Alle Fragen zum Grundeinkommen
Zum Abschluss der 12-tägigen Veranstaltungsreihe
"Einkommen schafft Arbeit ... Mehrwert durch Grundeinkommen" kamen (unerwartet) nochmals über 100 engagierte Menschen ins Kuratorium um möglichst viele Fragestellungen, die durch die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens aufgeworfen werden von verschiendenen Gesichtspunkten zu kneten. Ein Brot wurde da gebacken, das nicht schnell aufgegessen sein wird!
Hier ein paar bildliche Impressionen:










(Photos:
Stefan Pangritz)
Labels: Einkommen schafft Arbeit - Basel 2006
09 Oktober 2006
Grundeinkommen denken

Am 5./6. und 7. Oktober fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Einkommen schafft Arbeit ..." jeweils ein nachmittägliches Seminar mit
PD Dr. Andreas Brenner statt. Anhand eines Textes von Seneca wurden Aspekte zum Grundeinkommen entwickelt.

Photos:
Stefan PangritzLabels: Einkommen schafft Arbeit - Basel 2006
Geschichten vom Geld

Julia Klein (links) und
Micaela Sauber bezauberten mit ihren ausgewählten Geschichten und Märchen zum Geld das zahlreiche Publikum im Kuratorium. Im anschliessenden Gespräch wurde einerseits deutlich, dass das Märchengold nicht immer nur den Franken und den Euro meint, mit dem der "Gute" belohnt wird, sondern das Gute selbst. Andererseits wurde gerade dadurch deutlich, dass Grundeinkommen jeden Menschen meint, den Guten, den Bösen, den Dicken, den Dünnen, den Reichen und natürlich auch den Armen.


(Bilder:
Stefan Pangritz)
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06 Oktober 2006
Grundeinkommen und die KünstlerInnen

7 ausserordentliche Persönlichkeiten debattierten im übervollen Kuratorium zum Selbstverständnis von Kunst, Kultur und Gesellschaft. Dieser (10!) Tage unserer Veranstaltungsreihe bescherte uns eine Implosion am Kunstbegriff und Klarheit darüber, dass Grundeinkommen nicht nur den Künstler im Menschen meint, sondern vorallem auch den Menschen im Künstler.


V.l.n.r.
Stefan Heinrich Ebner, Künstler,Berlin
Bettina Dieterle, Schauspielerin, Basel
Georg Darvas, Theaterdirektor, Dornach
Adi Blum, Erfinder, Luzern
Heinrich Gartentor, Kulturminister, Thun
Veronika Sellier, Migros-Kulturprozent, Romainmotier
Britta Polzer, Kuratorin, Zürich




Photos:
Stefan PangritzLabels: Einkommen schafft Arbeit - Basel 2006
Grundeinkommen - ein Zeitspiegel
Das Grundeinkommen bündelt Zeitfragen, weil es sich auf das Leben der Menschen bezieht, und fächert sie auf in neue Chancen, in unterschiedliche Stränge gesellschaftlicher Entwicklung. Es berührt die Themen der Zeit und ist eine Basis für Veränderungen.
Schmidt liest LotterEnno Schmidt las aus dem neuen Buch von Wolf Lotter „Verschwendung“
Gronbach liest Van der MeulenSebastian Gronbach, Redakteur der Zeitschrift Info3 und inmedia, las aus dem neusten Buch „Herzwerk“ von Jelle van der Meulen.

Adrienne liest GoehlerAdrienne Goehler, Kuratorin der Hauptstadtkulturfonds Berlin, ehemalige Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, las aus ihrem neuen Buch „Verflüssigungen“

Als Supplement las Sebastian Gronbach aus Zeitungen des Tages, zwischen den Zeilen, aktuell, spirituell, informell
Ein wunderbarer Abend mit zwei hochkarätigen Gästen und einem tollen Publikum!
Bücherhinweise:
Jelle van der Meulen, Herzwerk, über die Lüge, den Abgrund
und die Liebe, Urachhaus Verlag 2006
Wolf Lotter, Verschwendung, Wirtschaft braucht Überfluss –
die guten Seiten des Verschwendens, Hanser Verlag 2006
Adrienne Goehler, Verflüssigungen, Wege und Umwege –
vom Sozialstaat zur Kulturgesellschaft, Campus Verlag 2006
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04 Oktober 2006
Die Herren der Erschöpfung erklären uns die Welt: Eine Frau antwortet

Die Veranstaltungen zur Idee des Grundeinkommens lassen uns an einer Idee teilhaben, die - so wurde mir gesagt - mehr denn je in die aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse passt. Ich habe mehrere Abende lang Vorträgen und Podiumsgesprächen gelauscht und soweit ich verstanden habe, kann ein bedingungsloses Grundeinkommen nicht nur die materielle Existenz der Menschen besser sichern, sondern es ermöglicht ihnen auch, das zu arbeiten, was sie wirklich möchten. Dennoch bleibt ein schaler Nachgeschmack darüber, dass mir hier die Welt erklärt werden soll (Vornehmlich von Männern über 50). Ich verlasse die Veranstaltungen mit dem Gefühl, dass ich ein wenig dumm bin, wenn ich die Idee noch nicht begreife, und dass allein das Begreifen der Idee ihre Richtigkeit zementiert. Aalglatt, und mit beinahe zwanghafter Unangreifbarkeit wird uns die Perspektive eines bedingungslosen Grundeinkommens verkauft. Vielleicht ist es ein Generationenproblem. Vielleicht haben die doch etwas älteren Schöpfer der Idee nicht bemerkt, dass ein all zu schneidender „Rational-Sozialismus“ ein Relikt aus vergangener aufklärerischer Bevormundungsrhetorik ist, und dass die Wunschvorstellung vom „guten Patriarchen“, vom väterlichen Welterklärer oder philosophischen Monarchen ebenso verfänglich wie unsexy ist, und zuletzt: Dass der Versuch, all zu objektive Wahrheiten zu vermitteln, nicht nur am Ziel vorbeigeht, sondern vor allem jene Hilflosigkeit zum Ausdruck bringt, die zu verbergen die Dozenten so bemüht sind.
Was ich hier schreibe, versucht den Standpunkt der jüngeren Generation zu skizzieren, der unter Dreissigjährigen. Konkreter: den weiblichen Teil der jüngeren Generation. Wie trifft uns die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens?
Vielleicht hätte ein kleine Anmerkung gereicht. Ein kleines Eingeständnis daran, dass es Brüche gibt in unserem Glauben an die „grosse Idee“ (Die Wiener Politologin Margit Appel hat bisher als einzige Referentin ihren biographischen Standpunkt dargelegt. Sie hat ihre Ideen damit nicht nur glaubwürdig gemacht, sondern auch die Allmacht objektiver Sichtweisen auf befreiende Weise entkräftet). Die Herstellung von Wissen und Ideen ist ein Prozess, bei dem das, was von der Welt gewusst werden kann, durch die Machtverhältnisse, in die wir alle eingebunden sind, sowohl ermöglicht als auch beschränkt wird. Mir fehlte bei allen bisherigen Veranstaltungen die Ehrlichkeit eines solchen Eingeständnisses. Ich bin Feministin, und dies bedeutet - im Gegensatz zu vielen Vorurteilen – mehr, als einen gleichwertigen Status der Frau oder eine gleichberechtigte materielle Verteilung zwischen den Geschlechtern einzufordern. Feministisch sein bedeutet, dass man sich klarmacht: Position beziehen beinhaltet immer auch, dass man Praktiken der Macht ausübt, dass man etwas als „wahr“ setzt und dabei anderes ausschliesst. Für solche Praktiken müssen wir die Verantwortung tragen.
Und ebendiese Verantwortlichkeit fehlt bisher bei den Männern, die uns das Grundeinkommen als neue Gesellschaftsordnung vermitteln wollen. Ich kritisiere keine Inhalte, wohl aber Haltungen. Ich unterstelle den männlichen Vertretern des Grundeinkommens, dass sie eine Position einnehmen, ohne eine Angriffsfläche zu bieten. Ich hatte das Gefühl, dass diese Männer uns Blickwinkel eröffnen, die schon im Voraus bekannt zu sein scheinen, die wir nicht mehr aushandeln müssen. Wir aber wollen Ideen mit offenem Ausgang und mit Menschen dahinter, die die Irritation einer solchen Offenheit ertragen und vermitteln können! Was ich mir wünsche: Eine leidenschaftliche Unvoreingenommenheit. Das ist eine Metapher, Leidenschaft und Unvoreingenommensein widersprechen sich. Leidenschaft steht für „Eingenommenheit“, von etwas beseelt und vereinnahmt sein. Unvoreingenommenheit für Distanzierung, Abgekühltheit oder auch Neutralität. Die leidenschaftliche Unvoreingenommenheit meint eine Objektivität, die ihren eigenen Standpunkt nicht als einen Blick von nirgendwo auf die ganze Welt verkauft. Jeder Standpunkt ist verflochten in Machtmechanismen. Jeder Blick hat einen Standort, einen Winkel und eine begrenzte Reichweite und niemand kann sehen, ohne selbst gesehen zu werden. Wer etwas sieht und zum Ausdruck bringt, stellt sogleich etwas dar, ist also nicht mehr unschuldig objektiv, sondern verwoben in seine eigene Biographie oder die Biographie seiner Kultur.
Es ist ein kolonialisierender, ja entzaubernder Wunsch, einen allmächtigen Blick von nirgendwo nach überallhin zu haben. Und es ist ein Wunsch, dem der (westliche) Mann seit der Aufklärung hilflos verfallen zu sein scheint. Donna Haraway, eine der führenden feministischen Naturwissenschaftlerinnnen, bezeichnet diesen Wunsch als „Göttlichen Trick“. Ein scheinbar unschuldiger Trick, der es den Menschen ermöglicht, einen neutralen Standpunkt einzunehmen, mit dem sie die Macht haben, die Welt so zu sehen, wie sie ist.
Wenn ich für einen feministischen Standpunkt plädiere, geht es mir um eine Haltung, mit der wir Projekte und Ideen mit offenem Ausgang betreiben. Wir sind nicht für die Welt verantwortlich, wir leben hier einfach und versuchen, mittels unserer Werkzeuge, nicht-unschuldige Konversationen zu beginnen. Und dazu gehört das Eingeständnis, dass unsere Sicht der Dinge oft eine Interpretation aus einem nicht-unschuldigen Standpunkt heraus ist. Dieses Eingeständnis habe ich in den letzten Tagen vermisst, und vermisse ich auch in den Schrifterzeugnissen über das Grundeinkommen.
Franziska Schutzbach, Mitarbeiterin der Initiative Grundeinkommen
Labels: Bemerkenswert, Einkommen schafft Arbeit - Basel 2006
Götz Werner im "unternehmen mitte"
Weit über 300 Gäste strömten am Dienstag Abend in die "mitte" um den zur Zeit vielleicht brilliantesten Vertreter der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens zu sehen und hören. 



(Photos:
Stefan Pangritz)
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03 Oktober 2006
Wie lässt sich ein Grundeinkommen finanzieren?
Im "unternehmen mitte" trafen zwei entgegen gesetzte Pole eines Für und Wider des Grundeinkommens und seiner Finanzierung auf. Dr. Benediktus Hardorp aus Mannheim, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, gilt als Entwickler der aktuell diskutierten Finanzierung eines bedingungslosen Grundeinkommens durch die Mehrwertsteuer. Sein Vorschlag leitet sich u.a. aus der Überlegung ab, dass die Steuer erst am Ende der Wertschöpfungskette erhoben werden soll. Auf dem Weg der Herstellung einer Ware oder Dienstleistung sollen keine Steuern erhoben werden. Keine Unternehmenssteuern also, keine Einkommenssteuern. Die Steuer ist ein Teilungsvorgang der Wertschöpfung in den Staatsanteil und in den Privatanteil. Dieser Teilungsvorgang soll an dem Punkt geschehen, wo der Einzelne die Leistung anderer für sich zum Verbrauch in Anspruch nimmt; im Kauf also, im Konsum. Alle Steuern sollen nach in der Konsumsteuer zusammengefasst und somit auch transparent werden. Dadurch verringern sich die Nettopreise, denn in ihnen sind nicht mehr wie Heute alle Steuern aus dem Wertschöpfungsweg enthalten. Die dann sehr hohe Konsumsteuer/Mehrwertsteuer von ca. 80%, die gesamte Staatsquote in der Mehrwertsteuer, führte nicht zu einer Erhöhung der Endpreise für die Verbraucher.

Da die Mehrwertsteuer nicht über die Staatsgrenzen geht, würden inländische Produkte im Ausland billiger. Denn in ihren Nettopreisen sind nicht mehr wie Heute die vielfältigen Steuern der Wertschöpfungskette enthalten, das heißt, die Kosten der inländischen Infrastruktur. Produkte aus dem Ausland hingegen würden im Inland mit der hohen Mehrwertsteuer belastet und also teurer. Das ist ein eindeutiger Wettbewerbsvorteil für das Land, welches alle Steuern in der Mehrwerstteuer abbildet. Es gäbe also auch für andere Länder einen hohen Anreiz, ihr Steuersystem in dieser Weise umzustellen auf die alleinige Mehrwertsteuer.

Ob wir diese Steuer Mehrwertsteuer nennen oder Verbrauchssteuer, Konsumsteuer, Umsatzsteuer, gemeint ist der Vorgang, dass die gesamte Staatsquote, alles Geld, mit dem wir den Staat zur Erledigung der von uns gewollten Aufgaben beauftragen und bezahlen, in einem einzigen Steuerbetrag zusammengefasst wird. Benediktus Hardorp zeigte die Herkünfte und Wirkungen dieser Steuerrechtsänderung auf. Kernpunkt ist, dass die Zusammenfassung aller Steuern in der Mehrwertsteuer die Initiative der Menschen fördert und demokratische Transparenz in der Steuer herstellt, dass sie außerdem der globalisierten Wirtschaft angemessen ist. Staatskosten werden nicht mehr mit den Preisen ins Ausland transferiert. Die Mehrwertsteuer ist eine Steuer, vor der man nicht weglaufen kann. Arbeit und Unternehmen sind ihrem Wesen nach steuerfrei.
Prof. Dr. Reiner Eichenreger, Finanzwissenschaftler von der Universität Fribourg, hielt dagegen, dass bei einer so hohen Mehrwertsteuer massiv mit Steuerbetrug zu rechnen sei. Die Mehrwertsteuer, aus der dann ein Grundeinkommen finanziert werden solle, sei im Übrigen nur eine verdeckte negative Einkommenssteuer, und die funktioniere nicht. Um ein Grundeinkommen von 3 Tausend SFr. zu finanzieren, müsste die Mehrwertsteuer dann etwa 170 % betragen. Warum nicht gleich 6 Tausend SFr. für jeden? Es sei eine reine Utopie. Eintausend Franken für jeden seien zu finanzieren. Das Grundeinkommen sei aber damit verbunden, dass es alle heutigen Sozialleistungen ersetzt. Denen, die das Geld brauchen, die heute mit den Sozialleistungen viel besser gestellt sind, würden die Leistungen weggenommen. Es sei auch völlig illusorisch und nicht mal wünschenswert, dass mit einem Grundeinkommen alle plötzlich kreative Künstler werden. Wozu sollten Menschen, die kein Grundeinkommen brauchen, eines erhalten? Die Idee des Grundeinkommens, so Prof. Eichenberger, sei ihm im Grunde sympathisch. Um sie aber nicht in Utopien zu verlieren, sollte es ein Grundeinkommen geben für diejenigen, bei denen damit tatsächlich innovative und kreative Potentiale freigesetzt werden.

Der Moderator wies darauf hin, dass die Höhe eines Grundeinkommens davon abhängt, was wir wollen, was wir für richtig erachten, was dann auch finanzierbar ist, und dass die konkrete Zahl sich im Laufe einer schrittweisen Einführung erst ergeben kann. Mit einer hypothetischen Zahl gegen das Grundeinkommen abzurechnen, sei also gegenstandslos.
Der Begriff der Kreativität würde im Übrigen heute als sehr verflachtes Schlagwort gehandhabt. Dass viele sich in künstlerischen Berufen tummeln, in denen sie nicht besonders gut sind, läge daran, dass in den Tätigkeitsfeldern und Berufen, wo sie wirklich gut sein könnten, nicht die Freiräume bestehen, die qualitative, selbst bestimmte Arbeit zulassen. Da würde das Grundeinkommen neue Chancen auftun. Ein Grundeinkommen, das selektiv gegeben wird, habe die bekannten Nachteile der Kriterienkataloge, wie sie auch Stiftungen handhaben, die sich in der Praxis von den individuellen Intentionen der Menschen entfernen, durch langwierige Vergabverfahren Aktivität mehr behindern als fördern. Es sei besser, die Menschen nicht mehr wirtschaftlich zu bevormunden, nicht von Oben festzulegen, wer beispielsweise kreatives Potential habe und wer nicht, wer ein Grundeinkommen brauche und wer nicht, sondern es tatsächlich jedem und jeder in seine und ihre Verantwortung zu geben, wie er oder sie sein Leben führt und sich für andere einsetzt.
Dr. Benediktus Hardorp wies darauf hin, dass auch bei einem Grundeinkommen und bei einer alle Steuern enthaltenden Mehrwertsteuer viele situative- und Sonderregeln möglich sind, wenn wir dies für sinnvoll erachten. Es gehe zunächst um das Denken und Verstehen der Idee im Überblick, in ihren Herleitungen und anzunehmenden Folgen.
Prof. Eichenberger räumte ein, dass es hierbei vor allem um das Menschenmodell ginge. Ist der Mensch innovativ, gut und altruistisch? Oder folgt er seinem egoistischen Vorteil?
Dr. Hardorp verglich diese Frage später mit einer anderen: „Ist das Glas halb leer, oder ist es halb voll?“
Eine wichtige Bestätigung des Mehrwertsteuermodells gab es von Prof. Eichenberger bezüglich der Transparenz. Steuerhinterziehung findet heue in großem Umfang statt. In der Schweiz ist dort die Steuerhinterziehung am geringsten, wo die Leute wissen und mitbestimmen, was mit der Steuer gemacht wird. Die Mehrwertsteuer, in der sich der gesamte Staatsanteil zeigt, würde in diese Richtung wirken. Einsicht und Sinnfindung sind die einzig wirksamen Mittel gegen den Steuerbetrug.

Diese Debatte im Rahmen der Veranstaltungsreihe der Initiative Grundeinkommen war hoch geladen mit Ausgrenzung und Ignorieren der Position des Anderen. Dennoch zeigten die Ausführungen von Dr. Hardorp einen Einblick in die Idee der alleinigen Konsumbesteuerung, und Prof. Eichenbreger konnte Schwellen deutlich machen, die mit Recht oder Unrecht – das blieb auf dem Podium letztlich unbeantwortet – gegen die Idee stehen und von manchen Befürwortern träumerisch übergangen werden. Viele Beiträge aus dem Publikum brachten aber Antworten auf diese Fragen aus eigenen Erfahrungen und fröhlichen Perspektiven. Nur ein Wortbeitrag sprach von einem anthroposophischen Wir in der Idee des Grundeinkommens, was als ausgrenzender Tiefschlag von der Mehrzahl der ZuhörerInnen gütlich überhört wurde.
Die Idee des Grundeinkommens wie seiner Finanzierung gehört niemandem. Die Auseinandersetzung ist frei. Über allem Für und Wider steht die Achtung des Anderen. Mit dieser Einstellung befand sich die Initiative Grundeinkommen Gestern auf dem Prüfstand und auf stürmischer See.
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02 Oktober 2006
Filmpremiere im unternehmen mitte

Zum ersten Mal wurden Gestern Abend zwei Filme zum Grundeinkommen im Kinoformat gezeigt. Ganz normale Menschen im Großformat, Debatten, Gedichte und gefilmte Performances der Initiative Grundeinkommen, Interviews und Vortragsausschnitte, Kabarett- und Theateraufnahmen zum Thema aus vielen Städten in der Schweiz und in Deutschland.
Es seien mehr Fragen als Antworten in den Filmen, sagte ein Zuschauer. So ist es gemeint. Die Filme erzählen von dem, wie die Leute denken. Pro und Kontra, Abwegiges und Ungeahntes, durchdacht Ausformuliertes und Fragmentarisches und in der Komposition Antworten, die nicht endgültig bleiben. Die Filme sind informativ, schaffen aber vor allem einen Raum, in den danach jeder und jede aus dem eigenen Fundus hineinprojizieren kann.
In einer Woche werden die Filme dieser Filmnacht online auf
www.grundeinkommen.tv zu sehen sein.

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30 September 2006
Arbeiten - aber anders
Gestern kamen wieder viele Menschen ins Unternehmen Mitte zu der Veranstaltung „Arbeiten – aber anders“ der Initiative Grundeinkommen.Dieses Mal waren alle Gäste Teilnehmer und gefragt, was sich für sie ändern würde, was sie mehr oder weniger tun würden, wenn es ein Grundeinkommen für alle gäbe.
Es zeigte sich ein reiches Potential an bereits praktizierten Wegen, denen aber mit einem Grundeinkommen Fesseln abgenommen würden. Es zeigte sich, wie schön Gesellschaft sein kann, wenn man gegenseitig von den Intentionen der Anderen erfährt, die mit einem Grundeinkommen erst recht zum Zuge kämen. Es gibt so viele Berufe, wie es Menschen gibt. Das macht die Gemeinschaft reich.

Von der Geigenlehrerin zur Putzfrau – als kulturelle Steigerung? Das gibt es real. „Mit einem Grundeinkommen könnte ich mir leisten, ganz Putzfrau zu sein.“
Ja, unsere Vorstellung vom Menschen, dem Zwang angetan werden muss, damit er etwas Vernünftiges macht, ist verkrüppelt und schafft Behinderungen.
Da war die Schauspielerin, die im Theaterspiel etwas Soziales suchte, die lieber Kranken vorlesen würde als an Stiftungen Antragsformulare auszufüllen oder sich im eitlen Karrieredruck der Theaterwelt auf die Bühne zu stellen.
Massgeblich war für viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass alle, nicht nur sie selbst, ein Grundeinkommen erhalten. „Was ich will, das kann ich nicht alleine.“ Austausch, Zusammenarbeit, Ansprechbarkeit, Zuhören und Erzählen, Erfahrungen weiter geben und sensibilisieren für all die Kunst, die uns umgibt, die wir aber nicht wahrnehmen. Grundeinkommen bringt Kulturen zusammen, vermittelt die Generationen. Es lässt Zeit für Ideen, die sich entwickeln und weitergehen bis in Unternehmensgründungen aus der Kunst und Kultur heraus.
Für niemanden würde sich das Leben komplett ändern, aber für viele ergäbe das Grundeinkommen ein entlastendes Mehr an Entscheidungsfreiheit dafür, wie Arbeit für Geld – die durchaus auch Freude macht – und noch unbezahlte oder nicht bezahlbare Arbeit in ihrem Leben im Verhältnis stehen. Wenn das Grundeinkommen von Betrieben und Auftraggebern in den Honoraren und Einkommen eingerechnet wird, sinkt die Wertschätzung von Arbeit durch Geld. Aber die viele Arbeit, die heute gar keine Wertschätzung durch Geld erfährt, würde aufgewertet. Ein Teilnehmer wies darauf hin, dass auch heute die Arbeit am wenigsten bezahlt wird. Materialien, ja, aber Arbeit? Nein.
Bezahlung ist auch Wertschätzung. Und Geld schafft Bewusstsein. Es würde sich eine neue, kulturvollere Ebene auch des Marktes und der Bezahlung ergeben.

Das Planspiel zum Grundeinkommen fand in vier Arbeitsgruppen statt unter den Schwerpunkten: „Kunst und Kultur“ (aus dem der obige Blick stammt), „Wirtschaft und Arbeit“, „Soziales“, „Bildung“. Moderiert wurden die Gruppen von Enno Schmidt, Alfred Meister, Oliver Kessler und Christa Seiler. Die Filmemacherin Irma Birchler nahm das Geschehen auf.
(Photos: Stefan Pangritz, wenn sie auf das Bild klicken, erhalten sie eine vergrösserte Wiedergabe)
Labels: Einkommen schafft Arbeit - Basel 2006
29 September 2006
Uraufführung: Kabarett zum Grundeinkommen
Grundeinkommen – ein Grund zum KommenDas Kabarett
"Birkenmeier – Vogt – Birkenmeier" begeisterte Gestern das Publikum im unternehmen mitte mit ihrer glühend witzig sprühend bissigen Aufbereitung des Grundeinkommens. Von der Grundeinkommensidee aus landeten sie mit Genuss Treffer ins Nest der Festschreibungen des weiter so zum kontrollierten Untergang, und zerpflückten geschwind dümmliche Heilserwartungen an ein Grundeinkommen.
Ihr neues Programm – und das erste weltweit speziell zum Grundeinkommen – haben Bierkenmeier Vogt Bierkenmeier eigens für diesen Abend und die Initiative Grundeinkommen geschrieben und uraufgeführt.





(Photos:
Stefan Pangritz)
Labels: Einkommen schafft Arbeit - Basel 2006
